EinBlick: kretische Karibik

Was braucht man für die Reise mit dem Flugzeug? Klar, die ganzen Flüssigkeiten im Handgepäck gehören in die entsprechenden Fläschchen und wiederverschließbaren Beutel. Neben den üblichen Dingen wie Handy und Portemonnaie brauche ich noch gute Kopfhörer und einen Schal. Mein „Darkblue Caribbean Sunset“ ist hier mein treuer Begleiter, falls die Klimaanlage zu kalt eingestellt sein sollte. Eine Erkältung im Urlaub möchte wirklich keiner.

Unser Flug führt uns südöstlich über die Alpen und den Balkan aufs Meer hinaus zur größten Insel Griechenlands – Kreta. Die Temperaturen im Frühling sind warm und die Sonne lacht vom Himmel. In Heraklion oder auch Iraklio landet das Flugzeug und entlässt seine Passagiere, die zum Gepäckband pilgern, um dort ihre Koffer einzusammeln.

Wir fahren per Mietwagen weiter zum Hotel. Aufgrund einiger Recherchen haben wir uns für den Süden Kretas entschieden, da hier die Bettenburgen nicht so ausgeprägt sein sollen. Eine weitläufige gepflegte Hotelanlage in Agia Galini, die sich die Anstellung von einheimischen Personal und die Nutzung von erneuerbaren Energien und Techniken auf die Fahnen geschrieben hat, erwartet uns mit freundlichem Service, gutem Essen und einem sauberem Zimmer.

Auf unserer Fahrt quer über die Insel sehen wir außerhalb Heraklions Olivenfelder und mit weißen Planen überzogene Gewächsanlagen. Wein, Oliven und Obst werden hier vorrangig angebaut. Wir sehen aber auch Tomaten.

Eine hohe Bergkette zieht sich über die Insel mit Bergmassiven, die sich in den Himmel recken. Der höchste Berg namens Psiloritis im Ida-Gebirge soll 2456 Meter hoch sein. Wir können ganz vereinzelt kleine weiße Stellen an der Bergspitze erkennen. Es scheinen Schneereste zu sein. Die oberen Hänge sehen ansonsten eher karg aus. Aufgrund von sommerlicher Trockenheit können auf Kreta nur widerstandsfähige Pflanzen gedeihen. Viele Gewürzpflanzen wie Thymian oder Salbei wachsen hier, die wiederum die kretische Küche beeinflusst haben. Sandfarbene Grasflächen und kleine dunkelgrüne Büsche und Bäume durchziehen die meist bergige Landschaft. Oft handelt es sich hier um Zypressen, kalabrische Kiefern, den Johannesbrotbaum oder Kermes-Eichen. An Bachläufen findet man auch Platanen. Der Bewuchs ist zur Küste hin niedriger als an den mittleren Berghängen im Landesinneren, wo sich die Wolken öfter verfangen können und so Feuchtigkeit bringen.

Die Hauptstraße ist gut ausgebaut, trotzdem halten wir nach Schlaglöchern Ausschau, die mit zunehmender Entfernung zur Hauptstadt vermehrt auftreten, sich aber in Grenzen halten. Auf unserem Weg durchs Landesinnere wandeln sich die geradlinigen Straßen zu kurvenreichen Serpentinen, mit denen die Höhenmeter des Gebirges überwunden werden müssen.

Weicht man von den größeren Straßen ab, passiert es schnell, dass man in ganz kleinen Bergdörfern landet. Obwohl wir meinen, dass wir der Hauptstraße folgen würden, sind wir immer wieder auf den schmalsten Nebenstraßen unterwegs. Zwischen weiß getünchten Häusern mit teilweise bröckeliger Fassade passt oft nur ein einziges Auto hindurch. Fahrkünste sind hier von Nöten, wenn man ohne Macken durch die Gassen kommen möchte.

Entlang der Landstraßen ergibt jede Biegungen einen neuen schönen weiten Blick auf die Berghänge. Man kann teilweise die Küste und das Meer sehen oder auf faszinierende Gebirgslandschaften blicken. Es ist ruhig mit einem geringen Verkehrsaufkommen. Die kleinen Ortschaften wirken zum Teil ziemlich verlassen. Vermutlich sind sie zu weit abgelegen. In den hohen Gebirgszügen soll man auch gut wandern können. Dafür sind wir aber nicht ausgerüstet, stattdessen haben wir Wasserschuhe, Flossen und Schnorchel zum Schwimmen dabei. Das Meer ist wunderbar klar. Direkt am Hotel finden wir einen dunkleren Sandstrand mit grober Körnung vor. Am steilen Kliff liegt Geröll bevor sich die Küste zu einer flacheren Bucht öffnet. Der Kies ist bei intensiver Sonnenstrahlung ziemlich heiß, das Wasser dafür um so kühler. Fische kann man hier ganz nah beobachten. An einer anderen Stelle entlang der Küste ist der Sand feiner und die Bucht tiefer, so dass sie azurblau schimmert. Karibisch!

Leider sieht man unter Wasser am Grund immer wieder Plastiktüten. Die weltweite Meeresverschmutzung zeigt sich auch in europäischen Regionen. In der lang gezogenen Bucht von Timbaki erstreckt sich über die ganze Länge ein Sandstrand mit von Wellen ausgewaschenen Steinplatten. Die Badegäste verteilen sich hier ganz entspannt über den weitläufigen Strand. Keine Spur von Massentourismus.

Mit 254 Kilometern Länge und 60 Kilometern Breite zählt Kreta nach Sizilien und Zypern mit zu den größten Inseln im Mittelmeer. Mit einer Küstenlänge von 1066 km gibt es unzählige Bademöglichkeiten und viele steile Hänge, von denen man im Süden nicht ins Meer gelangt. Aufgrund der bergigen Topografie dauern Touren zwischen einzelnen Orten wesentlich länger als es auf der Karte den Anschein hat, weil unzählige Serpentinen überwunden werden müssen. Um die Ecke heißt hier eher viele Kilometer Umweg.

Die großen Städte Rhetymno, Chania und Heraklion liegen im Norden der Insel. Die Hafenstadt Rhetymno ist die drittgrößte Stadt Kretas, die man von der Festung Fortezza gut überblicken kann. Sie wurde 1571 von den Venezianern erbaut, um sich vor den Angriffen der Osmanen zu schützen, die die Festung 1646 schließlich eroberten.

Wir wandeln unter schützenden Bäumen über die Baureste innerhalb der hohen Mauern, denn die Sonne strahl sehr heiß vom Mittagshimmel. Vereinzelte Gebäude sind restauriert, so die Sultan-Ibrahim-Moschee mit ihrer auffälligen Kuppel. Rethymno selbst zeigt hübsche Gässchen mit einem dichten Angebot an Andenkenläden, Eisdielen und Restaurants im Ambiente einer Altstadt.

Zusammengefasst hat uns der Urlaub auf Kreta sehr gut gefallen. Die Insel ist so groß, dass man sie gar nicht mit einem Besuch völlig erfassen kann. Weder die kleinen überall verstreuten kulturellen Anlagen wie Klöster oder Ruinen, noch die beeindruckenden Schluchten haben wir uns ansehen können. Die kleinen ruhigen, zum Teil abgelegenen Buchten laden zum Schwimmen ein, während die hohen Berge ihre ganz eigene Welt präsentieren und faszinierende Landschaften zeigt. Ohne Auto kommt man allerdings nicht weit, denn Radwege sucht man vergebens. Neben Rethymno soll auch Chania über eine ansprechende Altstadt verfügen, in der man flanieren kann. Für mich ist Kreta eine sehr abwechslungsreiche Insel.

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